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Hongmao Garden Marketing Department
24. Aug. 2026
Deutsche Hafenstreiks, neue CBAM-Leitfäden und Amazon AWD zeigen, warum europäische Beschaffung 2027 mehr als nur den Produktpreis betrachten muss
Der günstigste Einkaufspreis allein entscheidet zunehmend weniger darüber, wie erfolgreich ein Produkt in Europa verkauft werden kann.
In dieser Woche zeigen drei Entwicklungen besonders deutlich, wohin sich die Beschaffung bewegt:
Lieferbereitschaft. Compliance-Bereitschaft. Bestandsbereitschaft.
Nach Warnstreiks in sechs deutschen Seehäfen gehen die Tarifverhandlungen in eine entscheidende neue Runde. Gleichzeitig konkretisiert die Europäische Kommission die operative Umsetzung von CBAM. Und Amazon hat sein Warehousing-and-Distribution-Programm AWD offiziell auf fünf große europäische Märkte ausgeweitet.
Für europäische Händler und Importeure entsteht daraus eine gemeinsame Frage:
Wie gut ist die gesamte Lieferkette vorbereitet, bevor eine Störung überhaupt eintritt?
1. Deutsche Seehäfen: Nach dem Warnstreik bleibt das Lieferrisiko bestehen
Am 17. und 18. August kam es in sechs deutschen Seehäfen zu einem 24-stündigen Warnstreik.
Betroffen waren:
Hamburg
Bremerhaven
Bremen
Wilhelmshaven
Emden
Brake
In Hamburg wurden unter anderem die großen Containerterminals von HHLA und Eurogate getroffen. Während des Warnstreiks kam der Umschlag in weiten Teilen zum Stillstand. Auch Bahn- und Lkw-Prozesse waren betroffen. Die Tarifrunde betrifft rund 11.000 Hafenbeschäftigte.
Der Streik ist inzwischen beendet.
Das eigentliche Risiko ist damit jedoch nicht vollständig verschwunden.
Die nächste Verhandlungsrunde ist für den 24. und 25. August in Hamburg angesetzt. Zum Zeitpunkt dieser Veröffentlichung ist noch offen, ob Arbeitgeber und Gewerkschaft eine Einigung erzielen können.
Warum ein eintägiger Streik länger wirken kann
Für Importeure ist nicht nur die Dauer eines Streiks entscheidend.
Nach einer Unterbrechung müssen unter anderem:
Schiffe abgefertigt,
Container entladen,
Bahn- und Lkw-Slots neu koordiniert,
Container abgeholt,
und Warehouse-Termine neu eingeplant
werden.
Dadurch können Verzögerungen auch nach dem offiziellen Ende eines Warnstreiks weitergegeben werden.
Die wichtigste Erkenntnis bleibt deshalb dieselbe:
Port ETA ist nicht Warehouse Delivery
Ein Container kann Hamburg oder Bremerhaven planmäßig erreichen und trotzdem später als vorgesehen im deutschen Lager verfügbar sein.
Für Projekte mit:
Herbstaktionen,
Amazon-Einlagerung,
festem Produktlaunch,
saisonalen Promotions,
oder verbindlichen Retail-Terminen
sollte deshalb nicht nur der Ankunftstermin des Schiffes überwacht werden.
Wichtiger ist die gesamte Strecke:
Factory → Vessel → Port → Customs → Inland Transport → Warehouse
Was sollten Einkäufer jetzt tun?
Für zeitkritische Bestellungen empfehlen wir, weiterhin einen realistischen Transportpuffer einzuplanen.
Besonders wichtig:
Port ETA und Warehouse ETA getrennt führen.
Außerdem sollten bei kritischen Aufträgen alternative Transportmöglichkeiten und verfügbare Produktionsfenster früh geprüft werden.
Der richtige Grund, einen Auftrag früher zu bestätigen, ist deshalb nicht die Erwartung steigender Rohstoffpreise.
Es ist:
mehr Handlungsspielraum, wenn sich Hafen-, Schiffs- oder Inlandprozesse verändern.
2. CBAM wird operativer: Datenqualität wird Teil der Lieferantenbewertung
Auch bei CBAM verändert sich die Diskussion.
Noch vor einigen Jahren lautete die wichtigste Frage:
„Was ist CBAM?“
2026 lautet die Frage zunehmend:
„Wie bekommen wir die benötigten Daten zuverlässig in den tatsächlichen Meldeprozess?“
Die Europäische Kommission hat am 21. August 2026 eine aktualisierte Version des CBAM Registry – User Manual – Declarants Portal veröffentlicht.
Das Dokument beschreibt die praktische Nutzung des Registry-Systems für CBAM-Anmelder.
Bereits am 14. August hatte die Kommission eine Reihe von zehn neuen Leitfäden für die definitive CBAM-Phase veröffentlicht.
Dazu gehören unter anderem:
Grundlagen der CBAM-Umsetzung,
Leitfäden für Nicht-EU-Betreiber,
Methoden zur Berechnung eingebetteter Emissionen,
sektorspezifische Leitfäden,
sowie weitere technische Umsetzungshilfen.
CBAM befindet sich seit dem 1. Januar 2026 in der definitiven Phase.
EU-Importeure beziehungsweise ihre indirekten Zollvertreter, die mehr als den einheitlichen massenbezogenen Schwellenwert von 50 Tonnen CBAM-Waren importieren, müssen grundsätzlich den Status eines autorisierten CBAM-Anmelders beantragen.
Vom Produkt zum Datenprozess
Für relevante Produkte entsteht damit zunehmend eine strukturierte Kette:
CN Code → CBAM-Relevanz → Produktionsanlage → eingebettete Emissionen → Verifizierung → Registry
Genau hier verändert sich die Rolle des Lieferanten.
Der Kunde benötigt möglicherweise nicht mehr nur:
Produktzeichnung,
Materialangabe,
Stückgewicht,
Preis,
und Lieferzeit.
Zusätzlich können strukturierte Informationen zu Materialien, Produktionsprozessen und Emissionen erforderlich werden.
Wenn tatsächliche Emissionswerte verwendet werden, müssen Produzenten außerhalb der EU verifizierte Emissionsdaten zur Verfügung stellen können. Die erste jährliche CBAM-Erklärung für relevante Importe aus dem Jahr 2026 ist bis 30. September 2027 einzureichen.
Für Metallprodukte besonders wichtig
Ein Punkt darf dabei nicht vereinfacht werden:
Ein Produkt wird nicht automatisch CBAM-pflichtig, nur weil Stahl darin verwendet wird.
Entscheidend ist die tatsächliche Einreihung des importierten Produkts in den relevanten CN Code.
Für Lieferanten ist es deshalb sinnvoll, bereits heute eine klare Datenstruktur aufzubauen:
SKU → CN Code → CBAM applicability → material source → emissions data → customer reporting requirement
Data Readiness wird zu Supplier Readiness
Aus Einkaufssicht entsteht damit ein neues Auswahlkriterium.
Ein Lieferant kann einen wettbewerbsfähigen Preis anbieten.
Wenn Materialdaten, Gewichte oder Emissionsinformationen jedoch jedes Mal neu zusammengesucht werden müssen, entstehen später zusätzlicher Aufwand und zusätzliche Risiken.
Deshalb wird eine Frage für 2027 wichtiger:
Kann unser Lieferant strukturierte, nachvollziehbare und aktualisierbare Daten liefern?
Compliance wird damit zunehmend nicht nur Aufgabe der Rechts- oder Nachhaltigkeitsabteilung.
Sie wird Teil der operativen Lieferantenbewertung.
3. Amazon AWD startet in Europa: Bestand rückt weiter in den Mittelpunkt
Auch Amazon verschiebt den Wettbewerb weiter in Richtung Supply Chain.
Seit dem 20. August 2026 ist Amazon Warehousing and Distribution (AWD) in fünf großen europäischen Märkten verfügbar:
Deutschland
Frankreich
Italien
Spanien
Vereinigtes Königreich
AWD ermöglicht berechtigten Verkäufern, größere Bestandsmengen in Amazon Distribution Centres einzulagern.
Amazon übernimmt anschließend die automatische Nachversorgung der FBA-Fulfillment-Center entsprechend dem Bestandsbedarf.
Die Logik dahinter lässt sich vereinfacht so darstellen:
Bulk Storage → Inventory Allocation → FBA Replenishment
Amazon nennt unter anderem folgende Vorteile:
zusätzliche Lagerkapazität,
langfristige Bulk-Lagerung,
automatische FBA-Nachversorgung,
geringeres Stock-out-Risiko,
und eine stärkere Integration von Lagerung und Fulfillment.
Warum AWD mehr als ein neues Lagerprogramm ist
Für europäische Amazon-Händler war der Wettbewerb lange stark von folgenden Faktoren geprägt:
Listing + Keywords + Advertising + Price
Diese Faktoren bleiben wichtig.
Aber zusätzlich wird immer relevanter:
Wo liegt der Bestand?
Wie schnell kann nachgefüllt werden?
Wie viel Lagerbestand wird benötigt?
Wie hoch sind Lager- und Fulfillmentkosten?
Amazon AWD ist deshalb ein weiteres Zeichen dafür, dass sich E-Commerce-Wettbewerb zunehmend in Richtung Supply Chain Planning verschiebt.
Für Importeure aus Asien heißt das:
Die Entscheidung über europäische Lagerbestände beginnt nicht erst nach Ankunft des Containers.
Sie beginnt bereits bei:
SKU-Auswahl,
Produktionsmenge,
Verpackungsgröße,
Gewicht,
Containerbeladung,
Lagerkosten,
und der geplanten Fulfillment-Struktur.
Nicht jedes Outdoor-Produkt passt automatisch zu AWD oder FBA
Gerade im Garten- und Outdoor-Segment sollte jedoch differenziert werden.
Kompaktere Produkte können stärker von standardisierten Fulfillment-Systemen profitieren.
Bei großen und schweren Artikeln können dagegen andere Modelle sinnvoller sein:
spezialisierte 3PL-Lager,
europäische Overseas Warehouses,
Heavy-&-Bulky-Fulfillment,
oder direkte B2B-Distribution.
Für großvolumige Metallprodukte gewinnt deshalb die Konstruktion selbst an Bedeutung.
Ein Produkt sollte nicht nur danach entwickelt werden, wie es beim Verbraucher aussieht.
Auch folgende Punkte werden wichtiger:
KD-Struktur, Verpackungsmaß, Paketgewicht, Containerbeladung und europäische Lagerkosten.
Ein scheinbar kleiner konstruktiver Unterschied kann über Tausende von Einheiten erhebliche Auswirkungen auf die Supply-Chain-Kosten haben.
Drei Arten von Readiness für 2027
Die drei Entwicklungen dieser Woche wirken zunächst unterschiedlich.
Ein Hafenstreik.
Neue CBAM-Dokumentation.
Ein neues Amazon-Logistikprogramm.
Aus Einkaufssicht zeigen sie jedoch denselben Trend.
1. Delivery Readiness
Kann der Lieferant Produktions- und Logistikfenster so planen, dass bei Störungen noch Alternativen bestehen?
2. Compliance Readiness
Sind Produkt-, Material-, CN-Code- und gegebenenfalls Emissionsdaten strukturiert verfügbar?
3. Inventory Readiness
Ist das Produkt so entwickelt, verpackt und geplant, dass es wirtschaftlich in einem europäischen Lager- und Fulfillment-System funktioniert?
Diese drei Bereiche werden für europäische Beschaffungsentscheidungen zunehmend miteinander verbunden.
Fazit: Vorbereitung wird Teil des Produktwerts
Der Produktpreis bleibt wichtig.
Aber er beschreibt nur einen Teil der tatsächlichen Beschaffungskosten.
Ein niedrigerer FOB-Preis verliert schnell an Wert, wenn:
ein fester Liefertermin verpasst wird,
Compliance-Daten fehlen,
das Verpackungsvolumen zu hoch ist,
der europäische Lagerbestand schlecht geplant wurde,
oder die Fulfillmentkosten die ursprüngliche Einsparung wieder aufheben.
Deshalb sehen wir für 2027 einen klaren Trend:
Europäische Beschaffung bewegt sich von Price Readiness zu Supply Chain Readiness.
Für Händler bedeutet das, Lieferanten nicht nur nach dem Produkt zu bewerten, das heute angeboten wird.
Sondern auch danach, wie gut sie auf die Anforderungen von morgen vorbereitet sind.
Delivery Readiness. Compliance Readiness. Inventory Readiness.
Je früher Produkt, Daten und Logistik gemeinsam geplant werden, desto größer bleibt der Handlungsspielraum, wenn sich der Markt verändert.
Hongmao Garden entwickelt und produziert Metallprodukte für den europäischen Garten-, Storage- und Home-Improvement-Markt. In neuen Projekten betrachten wir deshalb zunehmend nicht nur Produktdesign und Fertigung, sondern auch Verpackungsstruktur, Containerbeladung, Materialdaten und europäische Fulfillment-Anforderungen.
