top of page

Weekly News KW 39: Europas Garden-Markt 2027 wird konzentrierter, klimaorientierter und datengetriebener

Hongmao Garden Marketing Department

21. Sept. 2026

HORNBACH erweitert sein DIY-Netz, GaLaBau macht Klimaanpassung zum Produktthema und CBAM bewegt sich weiter in Richtung Downstream-Produkte

Wer den europäischen Garden- und DIY-Markt für 2027 plant, sollte derzeit nicht nur auf kurzfristige Nachfrage, Rohstoffpreise oder Frachtraten schauen. Drei Entwicklungen der vergangenen Woche zeigen strukturell wichtigere Veränderungen: Deutschlands DIY-Vertrieb konzentriert sich weiter bei großen Handelsgruppen, Klimaanpassung wird stärker zum Entwicklungsparameter für Garden-Produkte und die EU arbeitet daran, CBAM weiter in die Wertschöpfungskette hinein auszudehnen.


Für Einkäufer und Lieferanten ergibt sich daraus eine gemeinsame Frage:

Sind Produkt, Vertriebskanal und Supply-Chain-Daten bereits auf die Anforderungen von 2027 vorbereitet?


01 | HORNBACH übernimmt sechs Hellweg-Standorte: Die DIY-Konsolidierung geht weiter

HORNBACH kündigte am 18. September 2026 an, sechs ehemalige Hellweg-Standorte in Ahrensfelde, Berlin-Köpenick, Dortmund-Kley, Essen-Borbeck, Freiberg in Sachsen und St. Augustin übernehmen zu wollen. Die Transaktion steht noch unter der Prüfung des Bundeskartellamts und der gerichtlichen Bestätigung des Insolvenzplans. Die Standorte sollen Anfang Dezember 2026 übernommen, umgebaut und im Frühjahr 2027 als HORNBACH Bau- und Gartenmärkte wiedereröffnet werden.


Die Expansion beschränkt sich nicht auf Deutschland. HORNBACH eröffnete am 11. September in Graz-Liebenau seinen 16. Bau- und Gartenmarkt in Österreich und kündigte weitere Projekte in europäischen Märkten an. Das Unternehmen nähert sich damit nach eigenen Angaben in den kommenden Jahren der Marke von 200 DIY-Megastores.


Quelle: HORNBACH Holding AG & Co. KGaA, 18.09.2026.


Was bedeutet das für Lieferanten?

Die entscheidende Nachricht ist nicht, dass sechs Märkte ein neues Logo bekommen. Nach den bereits angekündigten Übernahmen durch OBI, BAUHAUS und Hagebau zeigt nun auch HORNBACH, dass ehemalige Hellweg- und BayWa-Verkaufsflächen zunehmend in größere Einkaufs- und Filialsysteme integriert werden.


Unsere Einschätzung: Der deutsche DIY-Markt wird damit nicht einfach kleiner – seine Einkaufsmacht wird stärker gebündelt. Für Lieferanten von standardisierbaren Hard-Garden-Produkten wie Mülltonnenboxen, Paketboxen, Auflagenboxen, Garden Cabinets oder Raised Beds gewinnt deshalb die Fähigkeit an Bedeutung, Produkte für größere Range-Programme anzubieten.


Ein großes Einkaufssystem benötigt nicht zwangsläufig möglichst viele ähnliche SKU. Wichtiger sind Produkte, die einen klaren Platz im Sortiment besitzen, skalierbar produziert werden können und kommerziell vollständig vorbereitet sind. Neben dem Produkt selbst werden deshalb Faktoren wie Zielverkaufspreis, MOQ, Containerbeladung, Lead Time, Verpackungskonzept, Private-Label-Fähigkeit und After-Sales-Struktur relevanter.


Für 2027 verschiebt sich die strategische Frage damit von:

„Wie viele einzelne Kunden können wir entwickeln?“

zu:

„Welche Hero SKUs sind stark genug, um innerhalb eines großen Retail-Systems skaliert zu werden?“


02 | GaLaBau 2026: Wasser und Klimaanpassung werden zu Produktmerkmalen

Die GaLaBau 2026 endete am 18. September in Nürnberg mit knapp 68.000 Fachbesuchern aus mehr als 90 Ländern und 1.100 Ausstellern aus 34 Ländern. Gegenüber der Veranstaltung 2024 mit 66.567 Besuchern konnte die Messe erneut wachsen.


Ein zentraler Schwerpunkt der diesjährigen Messe war Climate Adaptation. Der GREEN-BLUE PATH stellte unter anderem Lösungen zu Klimaanpassung, Regenwassermanagement und urbaner grüner Infrastruktur vor. Die Messe beschäftigte sich außerdem mit klimaresilienten Freiräumen sowie dem Zusammenspiel von Wasser, Vegetation und gebauter Umgebung.


Dass Wasser zunehmend zu einem operativen Thema wird, zeigte auch das Fachprogramm. Eine Landscape-Talks-Session behandelte beispielsweise konkret, wie Regenwasser von Dach-, Parkplatz- und Wegeflächen gesammelt, behandelt und gespeichert werden kann, um Bewässerung auch während längerer Trockenperioden und regionaler Wasserentnahmeverbote sicherzustellen.


Quellen: NürnbergMesse / GaLaBau, 14.–18.09.2026.


Was bedeutet das für Consumer-Garden-Produkte?

GaLaBau richtet sich stärker an Landschaftsbau, Kommunen und professionelle Grünplanung als an klassische Consumer-Garden-Produkte. Trotzdem ist die Produktentwicklungsrichtung relevant: Europa beschäftigt sich gleichzeitig stärker mit Hitze, Trockenheit, Starkregen und effizienter Wassernutzung. Auch die Messe selbst beschreibt zunehmende Hitzeperioden, Dürre, Überflutungen und Starkregen als zentrale Herausforderungen der Klimaanpassung.


Unsere Einschätzung: Water Management entwickelt sich von einem reinen Infrastrukturthema zunehmend zu einer Produktlogik, die auch für Raised Beds, Cold Frames, Greenhouses und Planters relevant werden kann.


Für die Produktentwicklung 2027 sollten deshalb nicht nur Farbe, Größe oder Materialstärke betrachtet werden. Interessanter werden Funktionen wie:

Drainage · Water Retention · Irrigation-ready · Ventilation · Shade Management


Das bedeutet nicht, dass jedes Hochbeet ein komplexes Bewässerungssystem benötigt. Der entscheidende Punkt ist vielmehr, stärker aus der Nutzungssituation heraus zu entwickeln: Was passiert bei mehreren Tagen Starkregen? Wie lässt sich Wasser kontrolliert ableiten oder speichern? Wie kann bei einem Cold Frame Überhitzung reduziert werden? Und wie kann ein Planter den Nutzer bei längeren Trockenperioden unterstützen?


Die zukünftige Differenzierung kann deshalb zunehmend von:

„Wie sieht das Produkt aus?“

zu:

„Wie gut funktioniert das Produkt unter realen Klima- und Wetterbedingungen?“

wechseln.


03 | CBAM bewegt sich weiter in Richtung fertiger Downstream-Produkte

Am 15. September 2026 traf das Europäische Parlament im Verfahren zur geplanten Erweiterung des Carbon Border Adjustment Mechanism auf Downstream-Produkte eine Entscheidung in erster Lesung. Anschließend wurde die Angelegenheit für die interinstitutionellen Verhandlungen an den zuständigen Ausschuss zurückverwiesen. Das Gesetzgebungsverfahren ist damit ausdrücklich noch nicht abgeschlossen.


Der ursprüngliche Vorschlag der Europäischen Kommission sieht vor, den CBAM-Scope ab 2028 auf 180 zusätzliche Downstream-Produktgruppen mit hohem Stahl- beziehungsweise Aluminiumanteil auszudehnen. Nach Angaben des Europäischen Parlaments bestehen diese Produktgruppen durchschnittlich zu rund 79 % aus Stahl oder Aluminium. Der Rat und das Europäische Parlament haben im Gesetzgebungsprozess teilweise weitergehende Positionen vorgeschlagen, weshalb die endgültige Produktliste noch Gegenstand der Verhandlungen ist.


Quellen: Europäisches Parlament / EPRS, September 2026; Europäische Kommission, COM(2025)989.


Was bedeutet das für Metall-Garden-Produkte?

Hier ist eine wichtige Einschränkung notwendig:

Es ist derzeit nicht korrekt zu behaupten, dass Mülltonnenboxen, Paketboxen, Fahrradgaragen, Metall-Hochbeete oder andere Garden-Produkte ab 2028 automatisch CBAM-pflichtig werden.


Ob ein konkretes Produkt künftig unter eine erweiterte Regelung fällt, hängt von der endgültigen Gesetzgebung und seinem jeweiligen CN Code ab. Der aktuelle Vorschlag befindet sich weiterhin im ordentlichen EU-Gesetzgebungsverfahren.


Die strategische Richtung ist für Metalllieferanten trotzdem relevant. CBAM konzentrierte sich zunächst stark auf Grundmaterialien und primäre Stahl- und Aluminiumprodukte. Die geplante Downstream-Erweiterung zeigt nun, dass die EU stärker darauf achtet, ob CO₂-Kosten durch eine Verlagerung der Verarbeitung in Drittstaaten umgangen werden könnten.


Unsere Einschätzung: Für europäische Metallimporteure wird es sinnvoller, CN-Code-Management, Materialherkunft und CO₂-Daten nicht getrennt voneinander zu behandeln.


Eine belastbare Datenstruktur kann künftig beispielsweise so aussehen:

SKU → CN Code → Material Composition → Steel/Aluminium Source → Embedded Carbon Data → CBAM Applicability


Damit wird Carbon Data zunehmend Teil normaler Supply-Chain-Daten. Für Lieferanten reicht es langfristig möglicherweise nicht mehr, lediglich Stahlqualität, Materialstärke und Einkaufspreis zu kennen. Auch Materialherkunft, Produktionsstandort, relevante Materialgewichte und Emissionsinformationen können stärker in Supplier Qualification und Kunden-Audits einfließen.


Drei Veränderungen, die für 2027 zusammengehören

HORNBACH, GaLaBau und CBAM scheinen zunächst drei unterschiedliche Themen zu sein. Aus Sicht der europäischen Beschaffung beschreiben sie jedoch drei Teile derselben Entwicklung.


Channel Concentration: Große DIY-Systeme gewinnen zusätzliche Verkaufsfläche und Einkaufsmacht. Wenige starke, skalierbare Produkte werden dadurch wichtiger.


Climate-ready Products: Wasser, Hitze und Wetterresilienz werden stärker zu funktionalen Produktfragen – insbesondere bei Growing- und Planting-Produkten.


Data-driven Supply Chains: CN Codes, Materialherkunft und CO₂-Daten rücken näher an die operative Produkt- und Lieferantenbewertung.


Für die Planung 2027 entsteht daraus eine klare Priorität:

Product Differentiation · Climate Readiness · Supply Chain Traceability

Ein wettbewerbsfähiger Lieferant muss künftig nicht nur beantworten können, was ein Produkt kostet. Er sollte auch erklären können, warum der Händler dieses Produkt braucht, wie es zukünftige Nutzerprobleme löst und welche Daten hinter Material und Lieferkette verfügbar sind.


Fazit

Die wichtigste Entwicklung dieser Woche ist nicht eine einzelne neue Filiale, ein einzelnes Messethema oder eine einzelne EU-Regel.


Es verändert sich gleichzeitig:

wer Produkte einkauft, welche Funktionen wichtiger werden und welche Informationen ein Lieferant bereitstellen muss.


Für europäische Garden- und DIY-Lieferketten 2027 bedeutet das: Die stärksten Produkte werden zunehmend diejenigen sein, die in größere Retail-Programme passen, reale Klima- und Nutzungsprobleme adressieren und von einer transparenten Supply Chain unterstützt werden.


The right product must work for the retailer, the consumer and the future supply chain.


Hongmao Garden beobachtet diese Entwicklungen kontinuierlich und berücksichtigt bei neuen Projekten neben Konstruktion und Fertigung zunehmend auch Channel Fit, Verpackung, funktionale Produktentwicklung und Materialdaten.

📩 catrina@hongmaogarden.com

🌍 www.hongmaogarden.com

bottom of page