top of page

Weekly News KW 31: Deutschlands DIY-E-Commerce wächst – gleichzeitig steigen die Anforderungen an Produktsicherheit und Lieferketten

Hongmao Garden Marketing Department

27 Jul 2026

Deutschlands DIY-E-Commerce wächst um 10,9 %, die EU verschärft die Plattformaufsicht und Asien–Europa-Frachtraten sinken. Vier wichtige Signale für die Sortiments- und Beschaffungsplanung 2027.

Der deutsche Onlinehandel gewinnt wieder an Dynamik. Besonders deutlich wächst das Segment DIY und Blumen, während Möbel und Dekorationsartikel weiterhin unter Druck stehen. Gleichzeitig verschärft die Europäische Kommission die Durchsetzung der Plattformverantwortung, die Seefrachtraten zwischen Asien und Europa gehen leicht zurück, und Deutschlands Importe aus China steigen weiter.


Diese vier Entwicklungen zeigen eine klare Richtung für die Sortiments- und Beschaffungsplanung 2027:

Nachfrage ist vorhanden – sie konzentriert sich jedoch zunehmend auf funktionale Produkte, verlässliche Lieferanten und vollständig dokumentierte Sortimente.


1. Deutscher E-Commerce wächst wieder – DIY und Blumen übertreffen den Gesamtmarkt

Nach aktuellen Daten des Bundesverbandes E-Commerce und Versandhandel Deutschland, kurz bevh, stiegen die Warenumsätze im deutschen Onlinehandel im ersten Halbjahr 2026 um 4,3 Prozent. Im zweiten Quartal beschleunigte sich das Wachstum auf 5,1 Prozent.


Besonders stark entwickelte sich die Kategorie DIY und Blumen. Der Umsatz stieg im zweiten Quartal von 1,060 Milliarden Euro im Vorjahreszeitraum auf 1,176 Milliarden Euro. Das entspricht einem Wachstum von 10,9 Prozent und damit etwa dem Doppelten des gesamten Onlinehandelswachstums.


Die Erholung verteilt sich allerdings nicht gleichmäßig auf alle Vertriebskanäle. Online-Marktplätze wuchsen um 6,4 Prozent, Herstellerversender um 6,3 Prozent. Klassische Online-Fachhändler legten um 3,8 Prozent zu, während die Onlineaktivitäten stationärer Multichannel-Händler um 2,5 Prozent stiegen.


Deutlich schwächer entwickelte sich dagegen die Kategorie Möbel, Lampen und Dekorationen, deren Umsatz im zweiten Quartal um 2,1 Prozent zurückging. Asiatische Plattformen erreichten zur Jahresmitte bereits 5,3 Prozent des gesamten deutschen E-Commerce-Umsatzes. Ihr Wachstum lag bei mehr als 20 Prozent; im Online-Modehandel entfielen inzwischen über 16 Prozent aller Bestellungen auf diese Plattformen.


Was bedeutet das für den Garten- und DIY-Markt?

Die Zahlen sprechen nicht dafür, dass deutsche Verbraucher grundsätzlich weniger kaufen. Sie geben ihr Geld jedoch gezielter aus.


Produkte mit einer klaren praktischen Funktion haben derzeit bessere Voraussetzungen als rein dekorative Artikel. Für den Garten- und Außenbereich betrifft dies insbesondere Produktgruppen wie:

  • Mülltonnenboxen,

  • Fahrradgaragen,

  • Paketboxen,

  • Auflagen- und Gartenboxen,

  • Gartenschränke,

  • Hochbeete und funktionale Pflanzsysteme,

  • Gerätehäuser und Abdecklösungen.


Für Händler wäre es dennoch riskant, das Wachstum lediglich durch eine größere Anzahl ähnlicher Artikel nutzen zu wollen. Ein breites Sortiment ohne klare Differenzierung erhöht Lagerbestand, Content-Aufwand, Ersatzteilbedarf und das Risiko von Retouren.


Für die Sortimentsplanung 2027 erscheint deshalb ein stärker fokussierter Ansatz sinnvoll:

weniger austauschbare Artikel, dafür mehr Produkte mit klarer Funktion, erkennbarer Verbesserung und guter E-Commerce-Eignung.

Entscheidend sind nicht nur Design und Verkaufspreis. Montagezeit, Paketgröße, Transportschäden, Produktbilder, Videoanleitungen, Ersatzteilversorgung und verständliche Dokumentation beeinflussen die tatsächliche Rentabilität eines Onlineprodukts zunehmend.


2. EU verhängt 550 Millionen Euro Strafe gegen AliExpress

Am 20. Juli 2026 verhängte die Europäische Kommission eine Geldbuße in Höhe von 550 Millionen Euro gegen AliExpress.


Nach Angaben der Kommission hatte die Plattform ihre Verpflichtungen aus dem Digital Services Act, kurz DSA, zur systematischen Bewertung und Verringerung von Risiken beim Verkauf illegaler, unsicherer oder gefälschter Produkte nicht ausreichend erfüllt.


AliExpress wurde angewiesen, entsprechende Maßnahmen umzusetzen. Bei einer unzureichenden Umsetzung können weitere Zwangsgelder folgen.

Die Entscheidung ändert die General Product Safety Regulation, kurz GPSR, nicht unmittelbar. DSA und GPSR sind unterschiedliche Rechtsrahmen. Gemeinsam erhöhen sie jedoch den Druck auf Onlineplattformen, Händler und wirtschaftliche Akteure, Produktrisiken frühzeitig zu erkennen und die erforderlichen Informationen bereitzustellen.


Die GPSR gilt seit dem 13. Dezember 2024. Für erfasste Verbraucherprodukte muss unter anderem ein verantwortlicher Wirtschaftsakteur in der EU benannt sein. Hersteller müssen außerdem sicherstellen, dass Produkte von klaren Anleitungen und Sicherheitsinformationen in einer für die Verbraucher des jeweiligen Mitgliedstaats verständlichen Sprache begleitet werden.


Warum ist die AliExpress-Entscheidung auch für andere Plattformhändler relevant?

Die Entscheidung betrifft zunächst AliExpress. Sie zeigt jedoch, dass die Europäische Kommission Plattformverantwortung nicht nur theoretisch formuliert, sondern mit erheblichen Sanktionen durchsetzt.


Daraus lässt sich ableiten, dass große Marktplätze und Händler ihre internen Kontrollen für Produktdaten, Verkäuferinformationen und Sicherheitsunterlagen weiter ausbauen dürften.


Für Anbieter auf Amazon, Kaufland, Otto oder anderen europäischen Plattformen kann dies zu häufigeren oder detaillierteren Prüfungen führen. Besonders relevant sind:

  • Herstellername und Herstelleranschrift,

  • verantwortlicher Wirtschaftsakteur in der EU,

  • eindeutige Produkt- und Modellbezeichnung,

  • Chargen- oder Serienrückverfolgbarkeit,

  • deutsche Montage- und Gebrauchsanleitung,

  • Sicherheits- und Warnhinweise,

  • Risikobewertung,

  • Material- und Beschichtungsinformationen,

  • produktspezifische Prüfberichte.

Ein Prüfbericht ist dabei nur dann wirklich hilfreich, wenn klar erkennbar ist, auf welches Produkt, welche Konstruktion und welche Materialversion er sich bezieht.

Ein allgemeiner Bericht für eine Produktgruppe kann bei einer Plattformprüfung oder Marktüberwachung unzureichend sein, wenn der Zusammenhang mit dem konkreten SKU nicht nachvollziehbar ist.


Die praktische Konsequenz

Produkte sollten nicht erst nach einer Plattformanfrage dokumentiert werden.

Die relevanten Informationen sollten bereits vor der Freigabe eines neuen Artikels vollständig vorbereitet sein. Dazu gehören Produktetikett, Anleitung, verantwortlicher Wirtschaftsakteur, Identifikationsnummer, Warnhinweise und die zum Produkt passenden Prüfunterlagen.


Für Lieferanten, die hauptsächlich über einen niedrigen Preis konkurrieren und keine stabile Dokumentationsstruktur besitzen, steigt damit das Risiko.

Hersteller mit nachvollziehbaren Materialdaten, Prüfberichten und einer klaren technischen Produktakte erhalten dagegen einen stärkeren Wettbewerbsvorteil.


3. Asien–Europa-Frachtraten sinken zum zweiten Mal in Folge

Der World Container Index von Drewry sank in der Woche zum 23. Juli um 4 Prozent auf 4.374 US-Dollar je 40-Fuß-Container. Damit gingen die globalen Spotraten zum zweiten Mal in Folge zurück.


Auf der für viele europäische Importeure relevanten Strecke Shanghai–Rotterdam sank die Rate um 1 Prozent auf 4.824 US-Dollar je 40-Fuß-Container. Shanghai–Genua ging um 5 Prozent auf 5.988 US-Dollar zurück.


Drewry meldete außerdem vier geplante Blank Sailings auf den Asien–Europa-Routen in der folgenden Woche. Wegen einer schwächeren Nachfrage und zusätzlicher Kapazität erwartet das Unternehmen einen weiteren leichten Rückgang der Frachtraten.


Trotz der aktuellen Entspannung bleibt der Markt volatil.

Drewry weist darauf hin, dass mehrere Reedereien wegen der geopolitischen Spannungen zwischen den USA und Iran sowie der Risiken rund um die Straße von Hormus ab August 2026 Emergency Fuel Surcharges angekündigt haben. Solche Zuschläge könnten einen Teil der aktuellen Frachtersparnis wieder aufheben.


Was sollten Importeure jetzt tun?

Die aktuelle Situation bietet ein sinnvolles Zeitfenster, um Kalkulationen zu aktualisieren. Sie ist jedoch kein Beleg dafür, dass Frachtraten dauerhaft und kontinuierlich sinken werden.


Für laufende und geplante Projekte sind folgende Schritte sinnvoll:

  1. Aktuelle Seefrachtangebote erneut einholen.

  2. Einstandskosten jedes wichtigen SKU aktualisieren.

  3. Mischcontainer und Ladepläne neu berechnen.

  4. Produkte mit niedriger Containerbeladung separat bewerten.

  5. Für feste Einführungstermine frühzeitig Kapazität sichern.

  6. Bei weniger dringenden Bestellungen einen begrenzten Verhandlungsspielraum behalten.

Besonders empfindlich auf Frachtraten reagieren großvolumige Produkte mit relativ niedriger Stückzahl pro Container. Dazu gehören beispielsweise Fahrradgaragen, Drei- und Viertürer-Mülltonnenboxen, große Gartenschränke, Gerätehäuser und umfangreiche Pflanzsysteme.


Bei solchen Produkten kann bereits eine moderate Veränderung der Containerkosten den Einstandspreis pro Stück deutlich beeinflussen.


Daher sollte nicht nur der FOB-Preis verglichen werden. Entscheidend ist der tatsächliche Einstandspreis einschließlich Verpackungsvolumen, Containerbeladung, Fracht, Einfuhrkosten und regionaler Zustellung.


4. Deutschlands Importe aus China steigen weiter

Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes importierte Deutschland zwischen Januar und Mai 2026 Waren im Wert von 72,4 Milliarden Euro aus China.


Das waren 6,2 Prozent mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. China blieb damit in den ersten fünf Monaten 2026 Deutschlands wichtigster Handelspartner auf der Importseite. Allein im Mai stiegen die Importe aus China gegenüber dem Vorjahresmonat um 2,1 Prozent auf 14,0 Milliarden Euro.


Diese Zahlen bedeuten nicht, dass jede chinesische Produktgruppe wächst. Sie belegen insbesondere nicht automatisch ein Wachstum chinesischer Gartenprodukte in Deutschland.


Sie widersprechen jedoch der pauschalen Annahme, deutsche Unternehmen würden sich vollständig aus chinesischen Lieferketten zurückziehen.


Was verändert sich tatsächlich?

Der Einkauf aus China bleibt relevant, doch die Auswahlkriterien werden strenger.

Viele deutsche Unternehmen reduzieren die Zahl austauschbarer Lieferanten und konzentrieren größere Teile ihres Einkaufs auf Partner, die mehr als einen niedrigen Stückpreis bieten.


Wichtiger werden insbesondere:

  • stabile Qualität,

  • nachvollziehbare Produkttests,

  • vollständige Compliance-Unterlagen,

  • Produktentwicklung und technische Anpassung,

  • verlässliche Produktionsplanung,

  • optimierte Verpackung und Containerbeladung,

  • Ersatzteil- und After-Sales-Unterstützung,

  • Material- und Emissionsdaten,

  • schnelle Reaktion bei Qualitäts- oder Lieferproblemen.

Die zentrale Veränderung lautet deshalb nicht „China oder kein China“.


Die entscheidende Frage lautet:

Welcher Lieferant kann Produktwert, Compliance, Lieferstabilität und Gesamtkosten am zuverlässigsten verbinden?


Vier Signale – eine gemeinsame Schlussfolgerung

Die Entwicklungen dieser Woche stammen aus unterschiedlichen Bereichen, sind für die Sortimentsplanung aber eng miteinander verbunden.


Der deutsche DIY-Onlinehandel wächst überdurchschnittlich. Gleichzeitig erhöht die EU den Durchsetzungsdruck bei Produktsicherheit. Sinkende Frachtraten verbessern kurzfristig die Kalkulationsmöglichkeiten, bleiben aber durch Zuschläge und geopolitische Risiken unsicher. Deutschlands steigende Importe aus China zeigen zudem, dass chinesische Lieferketten weiterhin relevant sind – allerdings unter höheren Anforderungen.


Für Händler und Importeure ergibt sich daraus eine klare Priorität:

Die Chancen für 2027 liegen nicht bei den Unternehmen mit der größten Zahl an SKU, sondern bei denen, die die richtigen Produkte mit der richtigen Dokumentation und einer belastbaren Lieferkette kombinieren.


Empfehlungen für die Sortimentsplanung 2027

Für Garten-, DIY- und Home-Improvement-Sortimente sollten Unternehmen derzeit vor allem fünf Punkte prüfen:


1. Funktion vor reiner Dekoration

Produkte sollten ein klar erkennbares Problem lösen: Abfallbehälter verbergen, Fahrräder schützen, Pakete sicher empfangen, Stauraum schaffen oder Gartenarbeit vereinfachen.


2. Differenzierung vor Sortimentstiefe

Ein verbessertes Verschlusssystem, kürzere Montagezeit, bessere Entwässerung, modularer Aufbau oder geringeres Verpackungsvolumen kann wirtschaftlich wertvoller sein als zusätzliche, kaum unterscheidbare Modelle.


3. Dokumentation vor Markteinführung

Deutsche Anleitung, Produktidentifikation, Herstellerinformationen, EU-Verantwortlicher, Warnhinweise und passende Prüfunterlagen sollten vor der Listung vollständig vorliegen.


4. Einstandskosten statt nur Einkaufspreis

Bei großvolumigen Metallprodukten müssen Containerbeladung, Verpackungsvolumen, Transportschäden, Retouren, Ersatzteile und Montageaufwand in die Kalkulation einbezogen werden.


5. Lieferantenfähigkeit ganzheitlich bewerten

Preis bleibt wichtig. Für eine stabile langfristige Zusammenarbeit sind jedoch technische Kommunikation, Qualitätskontrolle, Produktentwicklung, Dokumentation und Reaktionsgeschwindigkeit ebenso entscheidend.


Hongmao Garden: Unterstützung für europäische Sortimentsprojekte

Hongmao Garden arbeitet mit europäischen Kunden an funktionalen Metallprodukten für Garten, Aufbewahrung und Home Improvement.


Für neue und bestehende Sortimente unterstützen wir unter anderem bei:

  • Auswahl geeigneter Produkte für Online- und Einzelhandelskanäle,

  • technischer Produktanpassung,

  • mailordertauglicher Verpackungsentwicklung,

  • Optimierung von Containerbeladung und Produktmix,

  • Erstellung von Produkt- und Montagedokumenten,

  • Vorbereitung relevanter Material- und Prüfunterlagen,

  • sowie Planung von Testbestellungen und Sortimentseinführungen.

Für die Überprüfung Ihres Sortiments 2027 oder eine neue Einstandskostenberechnung können Sie uns direkt kontaktieren:

E-Mail: catrina@hongmaogarden.com

bottom of page